Lesung

Annas Trauerspiel

23.08.26 12:00 Uhr

Veranstaltungsdetails

Eine Trauerrednerin und deren "Missbrauch" steht im Mittelpunkt einer Lesung mit dem münsterschen Journalisten Norbert Robers. In seinem Roman "Annas Trauerspiel" schildert er den Werdegang von Anna Verhaak, die über eine besondere Fähigkeit verfügt: Wenn die Trauerrednerin nach dem Tod eines Menschen die Angehörigen besucht, reichen ihr bereits wenige Worte und Fakten über die Verstorbenen, um daraus einen ebenso anspruchsvollen wie einfühlsamen Text zu erstellen. Sie weiß aufmerksam zuzuhören, Stimmungen aufzufangen, Botschaften zwischen den Zeilen zu erkennen, die Gesten und Mimik der Angehörigen zu „lesen“, Trost zu spenden und Empathie an den richtigen Stellen zu zeigen. „Zwei Mal lachen, ein Mal weinen“, lautet seit jeher ihr Motto für ihre berührenden Reden.
Der Brief einer ihr unbekannten Frau wirft sie plötzlich aus der Bahn. Die Frau macht ihr den Vorwurf, dass Anna Verhaak sich in ihrer Rolle als Trauerrednerin „missbrauchen“ lasse – dass viele Angehörige sie als „nützliche Idiotin“ benutzten, um kleine und große Skandale zu kaschieren, um Peinlichkeiten zu verschweigen oder um unangenehme Wahrheiten schönzureden. Ihre Unsicherheit wächst mit jedem Tag und jeder weiteren Trauerfeier, und sie berührt mehr und mehr auch ihr Privatleben. Mit den Jahren erkennt Anna Verhaak, dass ihr Leben ein einziges Schauspiel ist. Sie war nur teilweise sie selbst, sie war sich selbst und anderen gegenüber nicht ehrlich, sie hat vorrangig die Erwartungen ihres privaten und beruflichen Umfelds erfüllt und ihnen möglichst weitgehend entsprochen. Sie hat sich inszeniert. Ihr Leben war und ist in großen Teilen ein Rollen- und Trauerspiel - ihre Rolle als Trauerrednerin steht dafür trotz ihres Erfolgs exemplarisch.
Doch Anna Verhaak schafft die Wende in ihrem Leben. Dieser befreiende Wandel ist allerdings nur von kurzer Dauer.
Zum Autor: Norbert Robers hat rund 20 Jahre für verschiedene Zeitungen und Magazine gearbeitet, beispielsweise für die "Welt am Sonntag", "Focus" und für die "Westfälischen Nachrichten" - von 2001 bis 2006 war er für sechs deutsche Regionalzeitungen EU-Korrespondent in Brüssel. Seit 2009 leitet er die Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit der Universität Münster. Zu seinen Veröffentlichungen zählt eine Biographie über den ehemaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck. Der Eintritt ist frei.